
Was sind und was tun die Botschafter Niederbayerns? Mit »Exzellenz« reden sich die »Botschafter
Niederbayerns« nur gegenseitig ironisch an, es gibt keine Gehälter und Residenzen, keine Dienstwagen,
Sekretärinnen und Cocktailpartys auf Staatskosten und Einreise Visa erteilen sie auch nicht. Der Titel steht für
ein Ehrenamt mit einem patriotischen Auftrag:
Die Botschafter sollen im Rahmen ihrer beruflichen Möglichkeiten mit ihrem guten Namen für die Lebensräume,
Wirtschafts-Standorte und Urlaubsgebiete ihrer Regionen in Niederbayern werben.
»Niederbayern oben auf!« heißt der Slogan dieses Marketings für den Bezirk. Das Ausrufezeichen deutet
an, dass es sich um eine Zielsetzung handelt und nicht um eine Selbstüberschätzung im Sinne von: »Alle
anderen unten durch!« Die Botschafter sollen sich vielmehr zu Niederbayern bekennen und dem Ziel dienen,
seine Regionen in allen Bereichen nach oben zu bringen oder oben zu halten. Das bedeutet Mitarbeit in Wirtschaft,
Kultur, Tourismus und Medien, um die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern, Chancen besser zu nutzen und für den
attraktiven Lebensraum zu werben.
Die Botschafter werden vom Bezirkstags-Präsidenten Niederbayerns ernannt, vom Regionalmarketing Niederbayern
betreut und feierlich ausgesandt, um »urbi et orbi« für die Region einzutreten. Bisher wurden etwa je
10 Damen und Herren aus den 9 Landkreisen und 3 Kreisfreien Städten des Bezirks als Botschafter erwählt:
Unternehmer, Wissenschaftler, Präsidenten wichtiger Verbände, namhafte Künstler, Sportler und überregional
engagierte Journalisten aus Niederbayern. Im Grunde handelt es sich bei dem Botschafter-System um einen
Zusammenschluss von Persönlichkeiten, die schon bisher diesem Ziel dienten.
Früher standen die gutmütigen, aber selbstbewussten Niederbayern in dem Ruf, in einer Hosentasche einen Rosenkranz
und in der anderen ein feststehendes Messer mit sich zu führen. So flexibel im Auftreten müssen die Botschafter
Niederbayerns auch heute noch sein. Aber die Ausstattung wurde etwas verfeinert: eine Akkreditierungsurkunde,
Mappen mit Informationsmaterial und eigene Visitenkarten. Es ist den Botschaftern überlassen, was sie damit alles
machen – Hauptsache: einen guten Eindruck und keine Schwierigkeiten.
Sich zu Niederbayern zu bekennen heißt, zuerst die sehr unterschiedlichen Regionen samt ihren Top-Plätzen und
–Firmen kennen zu lernen, dafür zu werben und sie als attraktive Wirtschafts- Standorte oder schöne
Urlaubs-Landschaften zu präsentieren: das alte Agrarland und die moderne High-Tech-Industrie zwischen den Tälern
von Isar, Inn und Ilz, Regen, Rott und Donau, sowie vom Ostrand des Flughafens München bis zu den Bayerwald-Bergen
Arber, Falkenstein, Rachel, Lusen und Dreisessel entlang der Grenzen zu Österreich und Tschechien. Mit seinen
mittelgroßen Städten ist der Bezirk dezentral gegliedert, aber mit Straßen, Bahnlinien und der Donau-Wasserstraße
gut vernetzt.
Wirtschaftlich, kulturell und touristisch sind die einzelnen Regionen verschieden stark, aber im Bildungs- und
Gesundheitswesen, nach Sport-, Freizeit und Einkaufsangebot alle gut ausgestattet. Überall können die Botschafter
eine hohe naturnahe Lebensqualität als weichen Standortfaktor hervorheben.
Gegenüber Amts- und Mandatsträgern in Kommunen, Bezirk, Land und Bund haben die ehrenamtlichen
Niederbayern-Botschafter quasi als »Billig-Konkurrenz« einige Vorteile und Freiheiten. Sie sind als
Privatleute für ihre Region engagiert, also auch über die Grenzen von Land- und Stimmkreisen hinweg; sie sind
nicht im öffentlichen Dienst, haben kein politisches Mandat und brauchen auf keine Behörden-Hierarchie, keine
Weisungen, Partei- oder Fraktions-Disziplin Rücksicht zu nehmen. Ob sie Politik machen, ist ihre Sache.
Niederbayern-Botschafter sind somit ein zwangloser »Verein für freie Gedanken und offene Aussprache«.